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Vera Drake

Vera Drake
Bewertung:
Humor: 0%0%
Action: 0%0%
Spannung: 40%40%
Erotik: 0%0%
Anspruch: 80%80%
Gesamtbewertung:
gut!
gut!

OT: Vera Drake
Drama
Großbritannien/Frankreich/Neuseeland 2004
Regie: Mike Leigh
Buch: Mike Leigh
Musik: Andrew Dickson, Eric Coates, Edward Elgar
Produzent: Simon Channing-Williams
Darsteller: Imelda Staunton, Richard Graham, Eddie Marsan, Anna Keaveney, Alex Kelly, Daniel Mays, Philip Davis, Lesley Manville, Sally Hawkins, Simon Chandler, Sam Troughton, Marion Bailey, Sandra Voe, Jim Broadbent


Kurzinhalt:
London 1950. Vera Drake lebt mit ihrem Ehemann Stan und ihren erwachsenen Kindern Sid und Ethel in einer kleinen Wohnung. Sie haben nicht viel Geld, aber sie stehen sich nahe und sind eine glückliche Familie. Vera arbeitet als Putzfrau, Stan ist ein Mechaniker in der Autowerkstatt seines Bruders, Sid ist Schneider und Ethel steht am Fließband einer Fabrik, wo sie Glühbirnen testet. Vera kümmert sich zusätzlich um den kranken Nachbarn und die alte Mutter, und findet auch für ihre schüchterne Tochter einen Ehegatten. So verläuft das Leben einfach, aber harmonisch. Gelegentlich allerdings geht Vera noch einer Nebenbeschäftigung nach, die sie vor ihrer Familie geheim hält: Sie hilft jungen Frauen bei ungewollten Schwangerschaften. Unentgeltlich sorgt sie mit einem kleinen Eingriff dafür, dass die verzweifelten Frauen ihr Baby verlieren. Als jedoch eine solche Abtreibung misslingt und das betroffene Mädchen ins Krankenhaus muss, kommt Veras Tätigkeit ans Licht. Eine polizeiliche Untersuchung führt zu ihrer Festnahme, sie wird vor Gericht gestellt und ihre vertraute Welt bricht zusammen.

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📝 Rezension geschrieben von 8martin

Die Engelmacherin

Mike Leigh hat wieder seine Stammcrew zusammengerufen und einen äußerst bewegenden Film abgeliefert. Imelda Staunton in der Titelrolle ist überaus eindrucksvoll. Gerade weil sie so eine freundliche, hilfsbereite Seele ist, kann man ihr ihre illegale Tätigkeit (Abtreibung) kaum übelnehmen. Sie verlangte dafür nicht einmal Geld, sondern wollte nur den ‘jungen Mädchen helfen, wenn was unterwegs war‘. So nennt sie das, der Fachausdruck ist ihr fremd, die Prüderie der 50er Jahre ist heute kaum vorstellbar. Bei uns nannte man diese Frauen ‘Engelmacherinnen‘, ein Euphemismus der ähnlich verklemmt an der Realität vorbeigeht. Mit Tauschhandel und Ballhausszenen als Dekor zeichnet Leigh auch ein Sittengemälde der Nachkriegszeit, inklusive eines Vergleichs zwischen Arm und Reich bei Schwangerschaftsabbrüchen. Beim 8. Kind hilft Vera bei dem Armen, die wohlhabenden Mädels gehen in eine Privatklinik. Neben der großartigen Imelda Staunton, die ihre hilflose Zerknirschtheit direkt an den Zuschauer weiterreicht, beeindrucken in ihrer Schlichtheit Tochter Ethel (Alex Kelly), Schwiegersohn Eddie Marsan und auch Sally Hawkins. Die Familie droht fast auseinanderzubrechen, so geteilt sind die Meinungen über das Unaussprechliche. So hört man auch nicht, was Vera ihrem Mann zuflüstert, als sie ihm sagen muss, was sie getan hat. Und auch die ‘Hinterfrauen‘, die wirklich mit der Vermittlung Geld machen bleiben unbehelligt. Hier glänzt Ruth Sheen als skrupellose Abzockerin. Bei Veras Verurteilung durch Jim Broadbent (als Richter) wird zwar Recht gesprochen, aber es geht kalt und herzlos zu. Hier kann man nur zwischen Mitleid und Entsetzen wählen. Grandiose Tragik einer gut gemeinten dennoch illegalen Hilfe.

📝 Rezension geschrieben von Shining

"Das ist doch unrecht oder?"

Mike Leighs Protagonistin ist eine einfache Frau aus der Arbeiterklasse. Man könnte Sie als selbstlos, führsorgend und herzlich bezeichnen. Auf der anderen Seite auch als naiv und unscheinbar. "Ich helfe jungen Frauen" sagt Sie immer. Ob Mike Leigh Partei für seine Protagonistin ergreift ist nicht ganz klar. Die Charaktere in diesem Film gehören entweder zur Unterschicht, welche viel genauer und komplexer dargestellt werden, oder zur englischen Mittel- bis Oberschicht, die sich vielmehr an der Oberfläche bewegen fast am Rande zum Klischee und es wird deutlich, dass Mike Leigh Sie nicht mag. Der Parallelhandlung mit Sally Hawkins kann man als Argument verstehen. Trotzdem ist es ein unpolitischer Film der sich allein auf die Protagonistin bezieht. Imelda Staunton ist die absolute Stärke des Films. In einer einzigen Szene kann sie die Maske fallen lassen. Vera Drake weiss, dass Sie im Sinne des Gesetzes unrecht handelt aber Sie versteht es nicht und auch die Worte "Ich bin schuldig" liefern keine Antwort. Ein einfühlsamer Film mit Sozialkritik, der letztendlich doch dem Zuschauer die Beurteilung überlässt.

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