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Yol - Der Weg

Yol - Der Weg
Bewertung:
Humor: 40%40%
Action: 20%20%
Spannung: 75%75%
Erotik: 25%25%
Anspruch: 90%90%
Gesamtbewertung:
gut!
gut!

OT: Yol
Drama
Türkei/Schweiz/Deutschland/Frankreich 1982
Regie: Serif Gören, Yilmaz Güney
Produzent: Yilmaz Güney
Musik: Sebastian Argol
Buch: Yilmaz Güney
Darsteller: Tarik Akan, Serif Sezer, Halil Ergün, Meral Orhonsoy, Necmettin Cobanoglu, Semra Uçar, Mevlat Çelik, Sevda Aktolga, Tuncay Akça, Hale Akinli


Kurzinhalt:
Fünf Gefängnisinsassen erhalten für eine Woche Hafturlaub "auf Ehrenwort". Jeder kehrt mit seinen eigenen Problemen, Sorgen und Sehnsüchten zurück nach Hause, in die entlegensten Gebiete der Türkei. Der Urlaub, der mit Hoffnung beginnt, wird im Leid enden.



📝 Rezension geschrieben von 8martin

Polizeistaat & Blutrache

Sowohl die näheren Umstände der Herstellung des Films als auch der Inhalt des Plots sind symptomatisch für die Situation in der Türkei. Die Biographie von Drehbuchautor und Mitregisseur Güney zeigt, dass er und seine Familie selbst betroffen waren. Er schrieb das Drehbuch im Gefängnis. Serif Gören führte nach seinen Anweisungen Regie. Weil die Zensur drohte, wurde heimlich gedreht. Teilweise sind die Dialoge auf Kurdisch, teilweise ohne Ton (1982). Seit dieser Zeit hat sich in der türkischen Gesellschaft fast nichts verändert. Egal ob ein Sultan, das Militär oder Erdogan an der Macht sind. Es ist eine atavistische Männergesellschaft, in der Frauen geschlagen werden. Bei Fehlverhalten können sie in lichtlosen Kellern angekettet werden und sollten sie die Familienehre befleckt haben, kann der eigene Mann oder der Verwandtschaftsclan die Familienehre durch Mord wiederherstellen. (Blutrache!)
Eine Reihe von Gefängnisinsassen bekommt Hafturlaub und reist ins jeweilige Heimatdorf. Fast alle haben Eheprobleme: zwei davon werden ausführlicher behandelt.
Dramatischer Höhepunkt ist der Weg von Seyit mit Frau und Sohn über ein tief verschneites Gebirge. Der Winter ist gnadenlos.
Ein anderer befreit seine Frau. Nach der langen Haft überkommt das Ehepaar ein menschliches Bedürfnis. Sie verschwinden in einer Zugtoilette. Die Sittenpolizei schlägt Alarm. Es kommt beinahe zur Lynchjustiz. Der können sie entkommen, nicht aber einem Mordbuben der Verwandtschaft der Ehefrau. Beide geraten zwischen die Fronten im türkisch – kurdischen Krieg. Ein zukünftiger Ehemann erklärt seiner Ehefrau in Spe, dass sie demnächst gefälligst zu tun habe, was er befielt. Darauf erwidert sie, indem sie ihn anhimmelt ‘Du kannst so schön reden. Lernt man das im Gefängnis?‘
Solange es in der Türkei Blutrache und Ehrenmorde gibt, ist sie Lichtjahre von Europa entfernt. Insofern ist es mehr als nur ein überaus spannender und optisch eindrucksvoller Film. Einer der besten türkischen Filme ever.

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