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Jakob, der Lügner (1974)

Jakob, der Lügner (1974)
Bewertung:
Humor: 40%40%
Action: 30%30%
Spannung: 30%30%
Erotik: 0%0%
Anspruch: 80%80%
Gesamtbewertung:
Sehenswert!
Sehenswert!

OT: Jakob, der Lügner
Literaturverfilmung
DDR 1974
Regie: Frank Beyer
Produzent: Herbert Ehler
Musik: Joachim Werzlau
Buch: Jurek Becker
Darsteller: Vlastimil Brodský, Erwin Geschonneck, Henry Hübchen, Manuela Simon, Blanche Kommerell, Dezsö Garas, Reimar Johannes Baur, Armin Mueller-Stahl, Vlastimil Brodsky


Kurzinhalt:
1943, in einem jüdischen Ghetto: Jakob Heym hat große Angst. Nach acht Uhr darf im Ghetto niemand mehr auf der Straße sein; wie aber soll er wissen, wann es acht ist, da man ihm die Uhr abgenommen hat. Er hört einen Posten auf dem Wachturm schreien, es sei nach acht und er solle in der Kommandantur um eine "gerechte Strafe" bitten. Auf dem Flur der Kommandantur hört Jakob zufällig eine Radiomeldung mit, nach der die Deutschen mit den Russen bereits vor Bezanika kämpfen. Der schläfrige Wachhabende jagt Jakob davon; nach seiner Uhr ist es noch vor acht. Am nächsten Tag verkündet Jakob bei der Arbeit die große Neuigkeit - die Front rückt näher. Wie ein Lauffeuer verbreitet sich, was Jakob im Radio gehört hat. Seine Freunde glauben nun, Jakob selbst habe ein Radio, obwohl es verboten ist.

Jakob bringt es nicht übers Herz, ihnen zu sagen, wie es sich in Wirklichkeit mit dem Radio verhält. Von den anderen ständig bedrängt, erfindet er Meldungen vom Vormarsch der Russen. Seine barmherzigen Lügen helfen den Insassen des Ghettos, die Schikanen der SS zu ertragen, andererseits schaffen sie aber auch Unruhe im Ghetto.

Jakob, der Lügner (1974) - DVD
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📝 Rezension geschrieben von 8martin

Die Notlüge

Das ist literarisch und filmisch mit das Beste, was die ehemalige DDR hervorgebracht hat. Frank Beyer verfilmte 1975 den Roman von Jurek Becker. Er hatte dazu die schauspielerische Elite des Landes zur Verfügung: z.B. Armin Mueller-Stahl, Henry Hübchen, Erwin Geschonneck, Blanche Kommerell u.v.a. Die Produktion des Filmes schlug damals hohe Wellen, die bis in die SED Spitze reichten. Und es ist der einzige DDR-Film, der eine Oscarnominierung erhalten hat.
Ort der Handlung ist ein KZ im Jahre 1944. Jakob Heym (ganz groß Vlastimil Brodsky) erfindet die Nachricht vom Herannahen der sowjetischen Armee und damit der bevorstehenden Befreiung der Insassen, die durch diese Notlüge neue Lebenskraft schöpfen. Die Nachricht verbreitet sich im Lager wie ein Lauffeuer. Jakob gibt vor ein Radio zu besitzen, in dem er die Meldungen gehört hat.
Manche Mithäftlinge sehen darin aber auch eine Gefahr, weil sie die Vergeltung durch das Wachpersonal der Nazis fürchten.
Besonders liebevoll geht Jakob mit der kleinen Lina um. Für sie spielt er hinter einer Wand den Märchenonkel. Obwohl sie Jakob durchschaut, lässt sie ihn im Glauben, dass er ein Radio hat.
Immer wieder werden Retros eingeblendet aus Jakobs früherem Leben, als er eine elegante Dame ausführte. Ein junges Pärchen bietet Stoff für ein weiteres menschliches Drama. Anders als in Roberto Benignis Film ‘Das Leben ist schön‘, ist hier die brutale Grausamkeit permanent präsent und doch fällt mir dieser Film immer wieder ein, wenn ich an Frank Beyers Film denke. Diese beiden Filme sind wie die zwei Seiten einer Medaille. Es sind verschiedene Aspekte, die doch irgendwie zusammengehören. Sie ergänzen sich. Auch wenn die latente Brutalität des Naziregimes äußerlich nicht permanent sichtbar ist, wabert sie durch das Bewusstsein der Personen und manifestiert sich in der Lageratmosphäre. Man kann sie nicht negieren, nur wie Benigni durch Komik aushöhlen.
Die grausame Deportation wird durch Retros aus der guten alten Zeit und Szenen aus dem Märchen abgefedert.

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